{"id":688,"date":"2015-01-30T20:18:22","date_gmt":"2015-01-30T20:18:22","guid":{"rendered":"http:\/\/%20rroma.org\/?page_id=688"},"modified":"2024-12-17T11:19:59","modified_gmt":"2024-12-17T10:19:59","slug":"rroma-italy","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rroma.org\/de\/foundation-reports\/rroma-italy\/","title":{"rendered":"Roma in Italy"},"content":{"rendered":"<p>Text as&nbsp;<a href=\"http:\/\/rroma.org\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/italien-rom.pdf\">PDF<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>July\/August 2008:During the summer, one member of the foundation went and visited the by now famed Rroma camps around some of the biggest Italian cities. This report, in German, is the result of these vistis and offer an insight in the real situation of Rroma in that country.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Diskriminierung und Ausgrenzung der Rroma in Italien \u2013 Juli\/August 2008<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Stefan Heinichen, Rroma Foundation, Z\u00fcrich<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Einf\u00fchrung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Mitte Mai 2008 ging das Ger\u00fccht um, \u201cZigeuner\u201d von Ponticelli in Neapel h\u00e4tten ein Baby gestohlen. Daraufhin zerst\u00f6rte ein w\u00fctender Mob die Behausungen von rund 500 Rroma. Weitere \u00dcbergriffe gegen Rroma folgten; am 22. Juli in Magliana in Rom warfen Unbekannte einen Molotov-Cocktail gegen ein Rroma-Camp. Ein paar Tage sp\u00e4ter fand ein \u00e4hnlicher Vorfall auf eine Sintigruppe in der N\u00e4he von Florenz statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur gleicher Zeit gingen schockierende Bilder um die Welt, die entspannte Urlauber an einem italienischen Strand in der N\u00e4he von Neapel neben zwei toten Kindern zeigten. Cristina und Violetta, zwei Rroma-M\u00e4dchen, ertranken am 19. Juli auf ungekl\u00e4rte Weise im Meer. Notd\u00fcrftig wurden sie mit Badet\u00fcchern bedeckt, es ging aber mehr als drei Stunden, bis die Gerichtsmediziner eintrafen. Eine Diskussion wurde daraufhin ausgel\u00f6st ob den Kindern ausreichend geholfen geworden sei. Der Erzbischof von Neapel h\u00e4lt die Vorkommnisse f\u00fcr eindeutig schlimmer als das M\u00fcllproblem.<\/p>\n\n\n\n<p>In Italien sind die feindlichen Klischees gegen\u00fcber Rroma sehr verbreitet. Insbesondere herrscht immer noch das Bild von herumreisenden \u201cZigeunern\u201d vor: Die Frauen tragen bunte Kleider und viel Schmuck, sie legen die Karten und haben eine geheimnisvolle und zwielichtige Ausstrahlung. Die Kinder sind schmutzig und werden zum Stehlen und Betteln angehalten. Die M\u00e4nner indessen sind gewaltt\u00e4tig und trinken den ganzen Tag. Diese Vorurteile sind im Land weit verbreitet, und so ist es nicht verwunderlich, dass rechtsgerichtete Kreise mit ihren rromafeindlichen Aussagen \u00fcberall auf offene Ohren stossen. Laut einer Umfrage im Jahre 2000 forderten bereits damals 68 % der Befragten die Ausweisungaller Rroma aus Italien (European Roma Rights Center, Budapest November 2000).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rroma in Italien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bereits aus der Zeit der Ankunft der Rroma im italienischen Raum w\u00e4hrend des 15. Jahrhunderts sind die ersten Zeugnisse von Ausweisung und Verfolgung bekannt. Erste Dekrete, wie eines aus dem Jahre 1500 durch Maximilian I, sicherte jenen Straffreiheit zu, welche &#8220;Zigeuner t\u00f6teten&#8221;. Die Diskriminierung hat die Rroma in Italien in ihrer ganzen Geschichte begleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>In Italien sind drei Gruppen auszumachen, die seit jeher dort leben: die Calabresi, die Abbruzzesi, und die Sinti Piemontesi. Letztere sind mit der \u00f6sterreichischen Besatzung im 19. Jahrhundert ins Land gekommen. Historisch gesehen gibt es zudem Albanische Rroma, die wohl bereits mit einer grossen albanischen Minderheit w\u00e4hrend dem16. Jahrhundert eingewandert sind. Schliesslich sind die Rroma zu erw\u00e4hnen, die w\u00e4hrend des 2. Weltkrieges aus Kroatien nach Italien geflohen sind. Sie leben heute haupts\u00e4chlich im Raum Milano.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Zahl der Roma in Italien gibt es keine gesicherten Angaben. Laut offizieller Angabe sind es um die 130.000. Einige NGOs sch\u00e4tzen die Zahl der Rroma mit italienischer Staatsb\u00fcrgerschaft zwischen 60.000 und 90.000, die Zahl der im Ausland geborenen Rroma (oder derer, die in Italien von eingewanderten Eltern geboren wurden) zwischen 45.000 und 70.000 (dabei handelt es sich vor allem um Personen aus Ex-Jugoslawien). Einige von diesen sind &#8220;illegale&#8221; Einwanderer (s. Bericht Gesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker GfbV Nov. 2000).<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl sie schon seit Jahrzehnten im Land leben, haben die vielen Rroma Probleme mit ihrem Aufenthaltsstatus. Diejenigen, welche versuchten, ihre Aufenthaltspapiere in Ordnung zu bringen, sind oft nur im Besitz einer vor\u00fcbergehenden Aufenthaltsgenehmigung. Diese haben in der Regel eine Dauer von einem bis sechs Monaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Roma leben abseits von der italienischen Gesellschaft. Ausgeschlossen und ignoriert leben sie auf schlammigen B\u00f6den und heruntergekommenen Pl\u00e4tzen. Grundlegende Dienstleistungen wie Wasser und Strom sind entweder kaum oder \u00fcberhaupt nicht verf\u00fcgbar. Diese Ansiedlungen werden dann oft als &#8220;illegal&#8221; oder &#8220;nicht genehmigt&#8221; bezeichnet und k\u00f6nnen folglich immer kurzfristig ger\u00e4umt werden. Im italienischen Sprachgebrauch leben diese Rroma in genehmigten &#8220;Campi&#8221; (Lagern). Systematisch grenzt die italienische Mehrheit die Rroma aus und verhindert ihre Integration.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Italien als Migrationsland<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Italien ist vom Auswanderungsland zu einem Migrationsland geworden.<\/h4>\n\n\n\n<p>Seit den 90er Jahren sorgt das Auftauchen von Bootsfl\u00fcchtlingen ausAfrika und Asien an den S\u00fcdk\u00fcsten immer wieder f\u00fcr Schlagzeilen<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben gibt es eine grosse Anzahl von Menschen aus S\u00fcdosteuropa, die auf der Suche nach einem neuen Einkommen nach Italien auswandern. Aufgrund der sprachlichen Verwandtschaft sind es vor allem Rum\u00e4nen, die ins Land gelangen. Meistens \u00fcbernehmen sie diejenigen Jobs, f\u00fcr die kaum noch Einheimische gefunden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die billigen Arbeitskr\u00e4fte aus dem Osten einiges zum Wohl der Wirtschaft beitragen, kann Italien die Rolle des Einwanderungslandes kaum akzeptieren, Nicht zuletzt deshalb, weil seine Bewohner vor nicht allzu langer Zeit selber in andere L\u00e4nder auswandern mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage der Migration sorgt immer wieder f\u00fcr heftige Debatten im Land. Besonders die Anwesenheit der rum\u00e4nischen Staatsangeh\u00f6rigen sorgt f\u00fcrallgemeinen Unmut. Sie haben einen schlechten Ruf und gelten als kriminell. Dabei scheut sich die \u00d6ffentlichkeit nicht, Rum\u00e4nen und Rroma als dieselbe Volksgruppe anzusehen. Rum\u00e4nien gilt als das Land der Rroma, und wer dieses Land verl\u00e4sst, kann ja nur ein \u201cZigeuner\u201d sein. Diese Behauptung hat die Regierung in Bukarest sehr emp\u00f6rt und hat dazu gef\u00fchrt, dass sie in Rom eine scharfe Protestnote hinterlassen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie viele Rroma sind aber tats\u00e4chlich in dieser Migrationswelle vertreten? Neuste Zahlen sprechen von 1 Mio. rum\u00e4nischen Staatsangeh\u00f6rigen, die in Italien leben. In diesem Zusammenhang ist zu vermerken, dass offizielle Zahlen f\u00fcr den Balkan den Anteil der Rroma auf 10 bis 15 % berechnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Geht man also von 1 Mio. rum\u00e4nischer Staatsangeh\u00f6rigen aus, so sind darunter nur etwa 150\u2019000 Rroma zu z\u00e4hlen. Der weitaus gr\u00f6ssere Teil dieserEinwanderer sind dementsprechend Rum\u00e4nen! Hinzu kommt, dass dieser Anteil der Rroma sich nicht als solche deklariert und deshalb kaum auff\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Politikund Migration<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Mit dem so genannten &#8220;Kampf gegen kriminelle Ausl\u00e4nder&#8221; versucht die Regierung Berlusconi von den enormen sozialen Problemen im Land abzulenken. Einerseits ist Italien zu einem der wichtigsten Migrationsl\u00e4nder in Europa geworden. Tausende von Menschen aus verschiedenen Herkunftsl\u00e4ndern haben hier Zuflucht gesucht. Hinzu kommen billige Arbeitskr\u00e4fte aus den neuen EU-L\u00e4ndern. So spricht man bereits von rund1 Mio. Rum\u00e4nen, die auf dem Bau, als Haushaltshilfe oder sonst irgendwo als Hilfsarbeiter t\u00e4tig sind. Anderseits hat es heute auch die einheimische Bev\u00f6lkerung nicht mehr so einfach. Viele junge Menschen finden kaum noch ein Einkommen, von dem man leben kann. Auch die Generation der Alten hat es schwer. Durch die steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise nimmt die Verarmung breiter Schichten zu. Im Juni stieg die Inflation mit 3,8 Prozent auf den h\u00f6chsten Stand seit zw\u00f6lf Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Um gegen allf\u00e4llige gewaltsame soziale Spannungen \u2013 wie beispielsweise die wachsende Wut der Bev\u00f6lkerung gegen die M\u00fcllhalden in Neapel \u2013 vorgehen zu k\u00f6nnen, bereitet sich die Regierung systematisch auf die Konfrontation vor und r\u00fcstet den Staat auf. Das Argument der Sicherheit dient neu als Vorwand, um den Einsatz von Milit\u00e4r im Innern zu rechtfertigen. So patrouillieren seit anfangs August hunderte von Soldaten in den Grossst\u00e4dten Italiens.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser \u201cSicherheits- und Migrationspolitik\u201d dienen die Rroma hervorragend als S\u00fcndenb\u00f6cke f\u00fcr die wachsenden Probleme im Land. Sie werden nicht mehr als eine ethnische Minderheit, sondern als eine \u201ckriminelle und asoziale Gruppe\u201d dargestellt. Die lokale Presse verst\u00e4rkt dieses Bild zus\u00e4tzlich. Praktisch t\u00e4glich warnen Journalisten in Leitartikeln vor einer \u201csozialen Zeitbombe\u201d in den Rroma-Lagern.<\/p>\n\n\n\n<p>Beh\u00f6rden und Politikersetzen sich kaum f\u00fcr die Integration der Rroma ein. Das Gegenteil ist oft der Fall: Italien ist das einzige westliche europ\u00e4ische Land, das ein \u00f6ffentlich organisiertes Netz von Ghettos hat. Dies verhindert die M\u00f6glichkeit zur Teilnahme an der Gesellschaft und auch nur den Kontakt mit ihr, oder gar die Integration.<\/p>\n\n\n\n<p>Innenminister Roberto Maroni \u2013auch Fraktionsvorsitzender der rechtsgerichteten Lega Nord \u2013hat k\u00fcrzlich in diesem Zusammenhang die neuste Regierungsma\u00dfnahme bekannt gegeben: es soll eine Kartei speziell f\u00fcr Rroma geben, die eine DNA-Datenbank mit dem so genannten digitalen Fingerabdruck und Fotos von jedem Einzelnen enth\u00e4lt. Auch kleine Kinder werden auf diese Weise registriert. F\u00fcr diese Datenbank hat die Regierung ein faschistisches Gesetz aus dem Jahr 1941 wieder in Kraft gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Bev\u00f6lkerungsgruppe wird aufgrund ihrer ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit mit Fingerabdr\u00fccken erfasst. Ein Sprecher der EU-Kommission erkl\u00e4rte daraufhin irritiert, so etwas h\u00e4tte es noch nie in der Union gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zwischenzeit ist der Protest aus Europa jedoch heftiger geworden. Der Kommissar f\u00fcr Menschenrechte, Thomas Hammarberg, hat Italien f\u00fcr die fremdenfeindlichen Rromapolitik stark ger\u00fcgt. Die emp\u00f6rte Reaktion der italienische Regierung kam postwendend: Europa verstehe die Zusammenh\u00e4nge nicht, heisst es. Immerhin ist zurzeit das fragw\u00fcrdige Karteigesetz aufs Eis gelegt&nbsp;worden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Lage der Rroma in Rom<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Rom ist ein Schmelztiegel, wo hunderte von Nationen zusammenleben. Neben Touristen pr\u00e4gen heute vor allem fliegende H\u00e4ndler aus Bangla Desh und China das Stadtbild. Mehr oder wenig werden sie und ihre halblegalen Gesch\u00e4fte geduldet. Polizei und Carabinieri sind in der Innenstadt stark pr\u00e4sent.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer mit der Metro etwas ausserhalb der Innenstadt f\u00e4hrt, merkt bald, dass hierviel rum\u00e4nisch gesprochen wird. Wegen der sprachlichen Verwandtschaft mit dem Italienischen zieht es besonders viele Rum\u00e4nen nach Italien. Durch Freunde und Bekannte finden sie rasch eine Anstellung und erhalten daraufhin den \u201cPermesso di soggiorno\u201d, die Aufenthaltserlaubnis. Zunehmend sind auch Bulgaren anzutreffen. Sie sind oft nur w\u00e4hrend einer Sommersaison da und arbeiten in den Touristenanlagen im nahe gelegen Ostia.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie in den anderen Grossst\u00e4dten Italien, leben auch in Rom die Rroma vielfach in elenden Barackensiedlungen am Rand der Hauptstadt. Als eine Umgebung von Schmutz und Perspektivlosigkeit f\u00f6rdern diese \u2013 vom Staat verordneten \u2013 Ghettos tats\u00e4chlich die Kriminalit\u00e4t. Etwa 15\u2019000 bis 20\u2019000 Rroma leben hier. Die meisten stammen aus Rum\u00e4nien und sind in den letzten Jahren eingewandert. Zuvor waren es vor allem Rroma aus dem ehemaligen Jugoslawien, die hierher emigriert sind. Man nimmt an, dass nur etwa 1\u2019500 BewohnerInnen dieser Siedlungen den italienischen Pass besitzen. Der grosse Rest lebt ohne geregelten Aufenthaltsstatus. Die Stadt Rom unterh\u00e4lt offiziell neun Camps mit einer minimalen Infrastruktur. Weitere vierzehn Camps gelten als \u201chalblegal\u201d. Hier fehlt es praktisch an allem, um einigermassen w\u00fcrdig zu leben. 2007 wurden in der Umgebung von Rom 66 wilde Lager mit polizeilicher Gewalt aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer solchen gegen Rroma fremdenfeindlichen Umgebung gegen gibt es nur sehr wenige, die versuchen, sich f\u00fcr die Rroma ohne Vorurteile einzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Marco Brazzoduro, Professor f\u00fcr Soziologie, und die Fachlehrerin Vanessa Ioannoni geh\u00f6ren zu einer Gruppe, die regelm\u00e4ssig und auf freiwilliger Basis die Ghettos von Rom besuchen. Neben den blossen Kontakten zu den Rroma besteht ihre Arbeit darin, zwischen Beh\u00f6rden und den BewohnerInnen der Siedlungen zu vermitteln. Dazu geh\u00f6rt auch viel Kleinkram wie das Ausf\u00fcllen von Anmeldeformularen oder das Begleiten einer schwangeren Frau zu ihrem Arzttermin. Eher durch Zufall sei er auf die Probleme der Rroma gestossen, erkl\u00e4rt der Soziologieprofessor. Bei einem Projekt \u00fcber das urbane Leben von Rom besuchte er auch ein Camp. Die katastrophalen Zust\u00e4nde dort h\u00e4tten ihn sehr geschockt. Dass es solche Elendsviertel in Italien gibt h\u00e4tte er zuvor f\u00fcr nie m\u00f6glich gehalten. Seither bem\u00fcht er sich um die Verbesserung der Lebenslage der Rroma in der Hauptstadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Beispiele:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Campo Salviati 1 und Salviati 2<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Nord\u00f6stlich von Rom, zwischen Industriequartier, Bahngeleise und Brachland, befinden sich zwei nebeneinander liegende Rroma-Camps. Entsprechend dem Strassenname werden die Lager Salviati 1 und Salviati 2 genannt. Die Gegend sieht heruntergekommen aus. Der Anblick erinnert an die Favelas in S\u00fcdamerika. F\u00fcnzig Container sind von den Beh\u00f6rden zu Verf\u00fcgung gestellt worden und bieten f\u00fcr rund 270 Menschen Platz. In Wirklichkeit leben aber gut 100 Personen mehr auf diesem Areal. Zwei Rroma-Gruppen bewohnen die Siedlung: im Campo Salviati 1 sind es vorwiegend Rudari und Ursari aus Serbien. Die Familien sind bereits in den sechziger Jahren in Italien eingewandert. Trotz bescheidenem Wohlstand und Bem\u00fchung um Integration (die Kinder gehen zur Schule und sprechen ein ausgezeichnetes Italienisch), haben sie kaum die M\u00f6glichkeit, aus diesem Ghetto herauszukommen.<\/h4>\n\n\n\n<p>In der Nachbarsiedlung indessen, dem Campo Salviati 2, wohnen Rroma aus Bosnien und Monte Negro. Von offizieller Seite werden sie Xorxane, also t\u00fcrkischst\u00e4mmige Rroma, genannt. In Wirklichkeit handelt es sich um zwei andere Untergruppen, die zwar muslimisch sind, aber urspr\u00fcnglich von den Vlax abstammen: die Kaleipeiro und Cercasi. Semsa S. wohnt seit dem Bosnienkrieg hier. Sie geh\u00f6re zu den \u201cVergessenen\u201d, meint Marco Brazzoduro. Denn seit ihrer Ankunft vor 15 Jahren hat die Familie grosse Probleme mit dem Aufenthaltsstatus. Sie sind zwar geduldet, k\u00f6nnen aber ohne Angabeeines Grundes abgeschoben werden. Warum das so ist weiss eigentlich niemand so genau. Sogar der Professor von der Universit\u00e4t hat M\u00fche, das Formular richtig auszuf\u00fcllen und zu verstehen. Fakt ist einfach, dass in einem fr\u00fcheren Prozedere der Name des Ehemannes zum xten-mal falsch geschrieben wurde. Ob es sich hier um Absicht oder einfach um eine Unsorgf\u00e4ltigkeit handelte, ist nicht einsehbar. Semsa ist dar\u00fcber sehr w\u00fctend. In letzter Zeit k\u00e4men auch viele Journalisten und wollten ihre Familie fotografieren. Sie weigerten sichimmer aufs Heftigste. Man k\u00f6nne nie wissen, welche Auswirkungen dies schlussendlich auf sie haben w\u00fcrde. So oder so verdrehe die Presse ihr Situation und schriebe genau das Gegenteil der Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Campo \u201cRiver\u201d&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weit ausserhalb im Norden der Stadt steht im Niemandsland eine Wohnwagensiedlung. Neben den zerbeulten Wohnwagen sind auch einige winzige quadratische Bungalows zu finden. Die ganze Umgebung hinterl\u00e4sst einen deprimierenden Eindruck. Das Camp wird durch einen Pf\u00f6rtner bewacht. Besucher m\u00fcssen sich dort anmelden und ihre Papiere hinterlassen. Rund 270 Menschen, vorwiegend aus Rum\u00e4nien, leben hier. So auch Veronica mit ihrem rum\u00e4nischen Ehemann und ihren 6 Kindern. Es ist erstaunlich, welche Freude die Familie zeigt, wenn Besuch kommt. So gibt es doch eine kleine Abwechslung im tristen Alltag. Die Kinder von Veronica sind ordentlich und sauber gekleidet. Die Mutter achtet sehr darauf, dass alles so normal wie m\u00f6glich wie bei einer ganz gew\u00f6hnlichen italienischen Familie verl\u00e4uft. Vor neun Jahren seien sie auf der Suche nach Arbeit in Rom gelandet, erkl\u00e4rt die sechsfache Mutter. Endlich habe ihr Mann eine Anstellung als Maurer gefunden und verdiene jetzt etwa 900 Euro. Zuvor h\u00e4tte die Familie in einem Camp in der N\u00e4he der Innenstadt gewohnt. Durch die neue Arbeit erhofften sie sich nat\u00fcrlich, endlich eine Wohnung zu finden. Die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde h\u00e4tte ihnen hinsichtlich eines neuen Heimes auch die Hoffnung gemacht. Stattdessen erhielt die Familie einen Transfer in dieses Camp \u2026 Veronica kann ihre Entt\u00e4uschung nicht verbergen. Jetzt teilt sie ihre kleine Unterkunft mit zwei weiteren Familien. Behelfsm\u00e4ssig hat sich die Familie eine K\u00fcche ausserhalb des H\u00e4uschens eingerichtet, um wenigstens dort eine gewisse Privatsph\u00e4re zu bewahren. Sie seien gezwungen, wie die \u201cZigeuner\u201d zu leben, meint lakonisch die junge Mutter. Einen K\u00fchlschrank habe sie keinen und der Strom laufe pro Tag nur etwa vier Stunden. Wie k\u00f6nne man da in dieser Hitze Lebensmittel aufbewahren? Trotzdem hofft Veronica immer noch auf ein normaleres Leben \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine Tatsache, dass Italien enorme Probleme mit seiner Fl\u00fcchtlings- und Migrationspolitik hat. Doch eine breite Bev\u00f6lkerungsschicht profitiert auch von der Einwanderung vieler billiger Arbeitskr\u00e4fte. Der Widerspruch kann nicht gr\u00f6sser sein: einerseits haben populistische Parteien wie Forza Italia und Lega Nord grossen Zuspruch wegen ihres fremdenfeindlichen Handelns, anderseits stellt dieselbe W\u00e4hlergruppe gerne g\u00fcnstigere ausl\u00e4ndische Arbeiter zu viel schlechteren Bedingungen als die Einheimischen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sich hinter dem so genannten &#8220;Ausl\u00e4nderproblem&#8221; in Wirklichkeit verbirgt, ist die katastrophale Integrations- und Wohnungspolitik der italienischen Regierungen in den letzten Jahren. Dass jetzt gerne in diesem Zusammenhang eine Minderheit wie die Rroma f\u00fcr all die Vers\u00e4umnisse verantwortlich gemacht wird, ist eine sehr gef\u00e4hrliche Gratwanderung welche sich ein Rechtsstaat wie Italien nie erlauben d\u00fcrfte. So sind die wenigen Tausend rum\u00e4nischen Rroma in den Camps gegen\u00fcber einer Million Landsleuten aus Rum\u00e4nien doch eine verschwindend kleine Zahl! Ist es also legitim, diese kleine Gruppe f\u00fcr all die Missst\u00e4nde im Land verantwortbar zu machen?<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Jahren zum Beispiel boykottiert die Lega Nord die offizielle Anerkennung der Rroma als Minderheit, welche eigentlich im Rahmen des Minderheitengesetztes 482 von 1999 vorgesehen w\u00e4re. F\u00fcr die Rroma ist daher die Situation mehr als kritisch: wegen der fehlenden gesetzlichen Anerkennung als Minderheit k\u00f6nnen sie nicht einmal auf Mindestgarantien f\u00fcr ihre Rechte hoffen. Die Ausgrenzung von Rroma in sch\u00e4ndlich verfallenen so genannten &#8220;Zigeunerlagern&#8221; ist in Italien leider zur Regel und Normalit\u00e4t geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur eine radikale Kehrtwende kann die Situation der Rroma in Italien verbessern. Dazu bedarf es in erster Linie einer soliden und grundierten Aufkl\u00e4rungs- und Informationskampagne, die mit den Klischees wie \u201cNomaden\u201d oder \u201cFahrende\u201d aufr\u00e4umen sollte. Des Weiteren muss die Anerkennung der Rroma als eine Minderheit in Italien endlich durchgesetzt werden. Dann k\u00f6nnen sich integrationswillige Rroma auch besser f\u00fcr ihre Rechte wehren und w\u00e4ren nicht mehr gezwungen,,in den f\u00fcr sie vorgesehenen Ghettos zu leben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>July\/August 2008:During the summer, one member of the foundation went and visited the by now famed Rroma camps around some of the biggest Italian cities. 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