{"id":87,"date":"2014-10-08T09:17:35","date_gmt":"2014-10-08T09:17:35","guid":{"rendered":"http:\/\/rroma.sommer.support\/?page_id=87"},"modified":"2024-12-17T11:06:57","modified_gmt":"2024-12-17T10:06:57","slug":"questions-answers","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rroma.org\/de\/questions-answers\/","title":{"rendered":"Die meistgestellten Fragen"},"content":{"rendered":"<p>Wenn \u00fcber Rroma geschrieben oder gesprochen wird, werden oft Klischees und Vorurteile zu \u201eWahrheiten\u201c, die mit der Realit\u00e4t wenig zu tun haben. Mit diesem Argumentarium versuchen wir, kurz und b\u00fcndig auf die meistgestellten Fragen einzugehen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die Bedeutung von Roma<\/h4>\n\n\n\n<p>Roma wird manchmal mit \u201eMensch\u201c \u00fcbersetzt. Dies ist falsch, da der entsprechende Begriff in Romanes (und in Sanskrit) manu\u0161 ist. Rom mit dem Plural \u201eRoma\u201c bedeutet \u201eMann\u201c und auch \u201eEhemann\u201c. Die weibliche Form ist Romni mit dem Plural \u201eRomnja\u201c und bedeutet \u201eFrau\u201c und \u201eEhefrau\u201c. Die sehr konsequente franz\u00f6sische Verwendung von \u201eRoms\u201c f\u00fcr den Plural ist also ebenso falsch wie die teilweise deutsche Verwendung von \u201eRomas\u201c statt einfach \u201eRoma\u201c. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sinti und Roma<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Vor allem im deutschsprachigen Raum hat sich der Name \u201eSinti und Roma\u201c durchgesetzt. Das ist so, als w\u00fcrde man \u201ePariser und Franzosen\u201c oder \u201eLondoner und Engl\u00e4nder\u201c sagen, denn Sinti sind Roma. Fragen Sie einen Sinto, welche Sprache er spricht, er wird in den meisten F\u00e4llen \u201eRomanes\u201c sagen, fragen Sie ihn, wie er seine Frau nennt, und er wird \u201eRomni\u201c sagen. Au\u00dferdem nennen sich Sinti aus Polen deutsche Roma (Sasytke-Roma). Der Name Sinti selbst ist neu, denn im 19.\u00a0Jahrhundert nannten sich Sinti Kale (schwarz). Diese Bezeichnung entstand nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Zuzug von Roma aus Osteuropa nach Deutschland. Die Sinti, die Einheimischen, begannen, sie von den anderen, den \u201eRoma\u201c im Allgemeinen, abzugrenzen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Stammen all Roma aus Rum\u00e4nien?<\/h4>\n\n\n\n<p>Besonders in den franz\u00f6sischsprachigen Regionen herrscht oft die Verwirrung, dass alle Roma aus Rum\u00e4nien stammen. Dies ist nat\u00fcrlich nicht der Fall. Aber Sinti in deutschen Landen und die Manouches in franz\u00f6sischsprachigen Regionen verwenden \u201eRoma\u201c, um Vlach-Roma zu bezeichnen, d. h. Roma, die urspr\u00fcnglich aus Rum\u00e4nien stammen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum Roma mit zwei \u201eR\u201c?&nbsp;<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Beide Varianten Roma und Roma sind korrekt. Urspr\u00fcnglich war das \u201eRr\u201c das retroflexive D in Sanskrit. Dieses D \u00e4nderte sich phonetisch zum R in Romanes.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wieviel Roma gibt es?<\/strong>&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p>Es gibt zwischen 10 und 12 Millionen Roma. Da es viele Roma vorziehen, sich nicht als solche zu deklarieren, sind zuverl\u00e4ssige Angaben nicht m\u00f6glich. In Westeuropa existieren keine ethnisch basierenden Statistiken und in Osteuropa, wo diese die Norm waren, sind sie nicht zuverl\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sind Roma Fahrende?<\/strong>&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p>Nein. Nur ein vernachl\u00e4ssigbarer Teil der gesamten Roma-Bev\u00f6lkerung war jemals fahrend. Tats\u00e4chlich haben sie sich auf dem Balkan gleich nach ihrer Ankunft niedergelassen. Nur in West- und Nordeuropa wurden Roma de facto zum Reisen gezwungen, da sie sich nicht niederlassen durften.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sind Roma nomadisch?<\/strong>&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p>Nein, auch die wenigen Roma, die reisen, haben immer eine Heimatbasis. Sie zogen wegen ihrer Berufe (als Pferdeh\u00e4ndler, als Kupferschmiede) von Dorf zu Dorf, hatten aber immer ein Haus.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sind alle Fahrende Roma?<\/strong>&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p>Nein, die meisten Fahrenden in Europa sind keine Roma. Zum Beispiel die Jenischen im deutschsprachigen Raum, die Tinkers in Irland. Man vergisst oft, dass viele Menschen in Europa von Ort zu Ort gereist sind um Arbeit zu suchen. Manche dieser Leute sind die Ahnen der heutigen Fahrenden in Europa.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Alle Roma stehlen und betteln<\/strong>&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p>Ein Klassiker in Westeuropa! Wenn alle Roma in Europa tats\u00e4chlich nur betteln und stehlen w\u00fcrden, w\u00e4re das mehr als sichtbar: Zehn bis zw\u00f6lf Millionen Diebe... Man kann nicht verneinen, dass manche betteln und stehlen. Es sind die, die man am meisten sieht und in der Presse gezeigt werden. So werden alle Roma stets in den gleichen Topf geworfen. Es ist eine \u00e4hnliche Aussage wie z. B. \u201eAlle Deutsche sind Nazis\u201c, oder \u201eAlle Engl\u00e4nder sind Rowdies und Besoffene\u201c oder \u201eAlle Italiener sind Mafiosi\u201c. Wer w\u00fcrde es wagen, eine solche Aussage zu machen?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Roma sind dreckig<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die \u00fcblichen Bilder von Ghettos, von \u201eFavellas\u201c, von im Dreck rennenden Kindern etc. haben zu der allgemeinen Annahme beigetragen, Roma seien von Natur aus schmutzig. Tats\u00e4chlich ist das Gegenteil eher die Norm. Sauberkeit ist eine der obersten Regeln unter Roma, und selbst in einigen der schlimmsten Favellas kann man in den meisten Roma-H\u00e4usern fast auf dem Boden essen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Roma stehlen Kinder<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Das wurde im Mittelalter auch von den Juden gesagt. Aber genauso wie sie, bevorzugen die Roma, ihre Kinder selbst zu machen. Die Aussage ist vielleicht entstanden, weil nicht alle Roma dunkelh\u00e4utig sind, mit schwarzen Haare und dunklen Augen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Roma haben viele Kinder \u2013 Ihre Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst schnell<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die typische Roma-Familie hat nicht mehr Kinder als die generelle Bev\u00f6lkerung. In L\u00e4ndern wie Bulgarien, Mazedonien oder im Kosovo, wo seit dem 16. Jahrhundert zuverl\u00e4ssige Statistiken gef\u00fchrt werden, ist der Anteil der Roma gegen\u00fcber der gesamten Bev\u00f6lkerung bei ca. 10 bis 15% konstant geblieben. In L\u00e4ndern wie die Slowakei, Ungarn oder Rum\u00e4nien haben Roma effektiv mehr Kinder als die generelle Bev\u00f6lkerung. Dies hat aber eher mit ihrer sozialen Lage als mit einer \u201eRoma-Eigenschaft\u201c zu tun.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Roma haben sich und wollten sich nie integrieren<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Falsch! Im ganzen Balkan waren Roma gut integriert. So gut, dass sie in manchen Orte die Bourgeoisie bildeten. Sie arbeiteten seit je als Bauer, Rechtsanwalt, Richter, Polizist, B\u00e4cker, Lehrer, sowie Handwerker usw. \u00dcberall, wo die M\u00f6glichkeit bestand, haben sich Roma integriert und trotzdem ihre Kultur beibehalten. Nur an Orten wie in Westeropa, in Rum\u00e4nien (mit der Sklaverei) oder in \u00d6sterreich-Ungarn, konnten sie sich nicht integreren. Nicht weil sie es nicht wollten, sondern weil Gesetze und Verbote die Roma zur Randgruppe dr\u00e4ngten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Falls man integriert ist, kann man noch ein Rom sein?<\/strong>&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p>Integrated doesn\u2019t necessarily mean one has to loose one\u2019s identity. In Europe, since the 19th&nbsp;century, there has been a tendency to think that a country is equal to a unique culture, language, and even ethnic appurtenance. Europe was never like this before, and there are minorities. One can integrate, live a regular life, all the while keeping a different language at home. Would anybody ask the same question about Jews?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Roma k\u00f6nnen weder lesen noch schreiben - Sie haben keine Ausbildung<\/strong>&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p>Als Rom wird man so oft mit der Frage: \u201eK\u00f6nnen Sie lesen und schreiben?\u201c konfrontiert, dass eseinem fast peinlich ist. Fakt ist, dass ca. 10 % der Roma studiert haben. In vielen L\u00e4ndern Europas istdieser Anteil kleiner! Ausbildung ist heute eines der gr\u00f6ssten Probleme f\u00fcr Roma. In einigen L\u00e4ndern,meisten in ehemalige kommunistische Staaten, werden immer noch Roma in Spezialschulen oder inSchulen f\u00fcr geistig Behinderte geschickt. Jede Ausbildung wird so wissentlich verweigert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Roma sind keine Europ\u00e4er, es sind Ausl\u00e4nder<\/strong>&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p>Falsch! Roma sind zwar indischer Abstammung, also nicht europ\u00e4isch, aber die Slawen kamen vom Altai im 5. Jahrhundert, die Magyar im 8. von Zentralasien, die Deutschen vom Norden im 3. Jahrhundert, usw. Fast alle Europ\u00e4er haben keine europ\u00e4ischer Abstammung! Fakt ist, Roma sind eine transnationale europ\u00e4ische Minderheit. Roma sind Europ\u00e4er, und waren es immer. Ihre Identit\u00e4tund Kultur ist in Europa entstanden, und w\u00e4hrend langer Zeit lebten keine Roma ausserhalb Europa.Nach 1\u2019200 Jahren in Europa, wer kann sagen, sie seien keine Europ\u00e4er?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Roma sind ein ein soziales Problem<\/strong>&nbsp;<\/h4>\n\n\n\n<p>Dies ist mittlerweile in vielen L\u00e4ndern g\u00e4ngige Vorgehensweise. Anstatt ein Minderheiten- und Diskriminierungsproblem anzuerkennen, stufen viele Regierungen und leider auch NGOs das Roma-Problem als ein soziales ein. Die Begr\u00fcndungen sind einfach: geringe Bildung, geringe Erwerbsquote, Armut, Kriminalit\u00e4t etc. Warum das so ist, n\u00e4mlich grassierende Diskriminierung, Vorurteile etc., wird eigentlich geleugnet, indem man das Thema Roma-Integration zu einem rein sozialen macht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>When hearing about Roma, when reading about them, a wealth of clich\u00e9s, generally accepted \u201ctruths\u201d and statements are always present. 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